Seit 2020 wählt der Staatsrat jedes Jahr einen Vacherin Fribourgeois AOP und einen Gruyère AOP aus, die bei seinen offiziellen Aperitifs serviert werden. In diesem Jahr gewann Alain Jungo der Käserei Struss in St. Ursen den Preis für seinen Vacherin Fribourgeois AOP.
Die Käserei Struss besteht seit über 100 Jahren. Alain Jungos Eltern, Franz und Liliane, übernahmen sie im Jahr 1986. Bis in die 1990er Jahre stellte sein Vater Emmentaler her, dann wechselte er zur Gruyère AOP Produktion. Als die Käserei in Wolperswil 2013 schloss, kaufte Alain Jungos Vater deren Milch auf, von der ein Teil für die Vacherin Fribourgeois AOP Produktion bestimmt war, und wurde selbst Käsehersteller.
Da Alain Jungo über der Käserei aufgewachsen ist, stand für ihn von Anfang an fest, dass er Käser werden möchte: «Ich habe meinem Vater sozusagen immer geholfen. Seit meinem achten Lebensjahr verbrachte ich praktisch jedes Wochenende in der Käserei.» 2021 verwirklichte er seinen Kindheitstraum, indem er dessen Leitung übernahm. Seitdem übernimmt er auch die Milch der beiden anderen Käsereien in St. Ursen. Insgesamt erhält er jährlich 3,5 Millionen Kilogramm Milch, wovon ein Teil zu 48 Tonnen Vacherin Fribourgeois AOP verarbeitet wird. Während ein Teil seiner Produktion von der Vacherin Fribourgeois SA in Bulle vermarktet wird, ist der Rest für den lokalen Verkauf bestimmt.
Bei den Jungos ist das Käserhandwerk eine echte Familienangelegenheit. Julien, der Bruder von Alain, ist ebenfalls Milcheinkäufer und leitet die Käserei Büel in Plaffeien. Die Käsereien der beiden Brüder werden unter dem Dach der Jungo Cheese AG geführt. Auch ihr mittlerweile pensionierter Vater arbeitet noch regelmässig in St. Ursen, während ihre Mutter dort den Laden leitet. Wenn sie Hilfe brauchen, können sie auch immer auf ihre Schwester zählen.
Wie fühlt es sich an, wenn der eigene Vacherin Fribourgeois AOP vom Staatsrat als bester des Jahres ausgezeichnet wird? «Diese Auszeichnung ist eine grosse Ehre. Zudem brachte mir die Auswahl, die ich für die Degustation im Staatsrat zusammengestellt hatte, eine Silbermedaille bei den World Cheese Awards ein. Das fühlt sich grossartig an.» Alain Jungo hat das Treffen mit Staatsratspräsident Philippe Demierre, der ihm den Preis persönlich überreicht hat, sehr genossen, und sagte dazu: «Ich habe einen kleinen Abstecher von Leukerbad gemacht, wo ich mit meiner Frau und meinem Sohn im Urlaub war. Es war ein sehr angenehmer Moment. Ich habe die Gelegenheit genutzt, ihm unsere Käserei und unseren Reifekeller zu zeigen.»
Neben seiner Arbeit verbringt Alain viel Zeit mit seiner Familie. Zudem hat er Gefallen am Golfspielen gefunden: «Als wir 2022 die Käserei renovierten, habe ich zusammen mit einem Kollegen damit angefangen. Es ist ein wunderschöner Sport, bei dem man auch die Zeit im Freien geniessen kann. Ich spiele etwa dreimal pro Woche.» Der Käser sieht darin übrigens viele Parallelen zu seinem Beruf: «Genau wie bei der Käseherstellung zählt jede Bewegung. Wenn man die einzelnen Schritte beachtet, gewinnt man an Beständigkeit und Qualität.»